Datenrettung

Ich mache selber keine Datenrettung weil ich dafür nur teilweise ausgerüstet bin, will aber dennoch einige Tips geben was zu tun ist und was im Ernstfall noch zu retten wäre.

Das Wichtigste zuerst

Wenn lebenswichtige, wertvolle oder unersetzliche Daten verschwunden oder defekt sind, dann besteht die Gefahr, dass sie endgültig verlorengehen weil der Computer den Platz wo sie gespeichert waren wieder verwendet und die Daten dadurch im Laufe der Zeit überschreibt. Daher sollte man gar nichts mehr tun auf dem betreffenden Computer, ihn auch nicht herunterfahren, sondern mit einem Fachmann alle weiteren Schritte besprechen.

In weniger wichtigen Fällen, wo ein Verlust der Daten in Kauf genommen werden kann, ist es möglich selber etwas zu tun.

Windows Papierkorb

Versehentlich gelöschte Dateien können in Windows einfach wiederhergestellt werden. Dazu öffnet man den Windows Papierkorb und sucht darin die gelöschte Datei. Klickt man auf diese mit der rechten Maustaste, dann kann man Wiederherstellen wählen und die Datei ist wieder dort wo sie vor dem Löschen war. So ist das Wiederherstellen recht unproblematisch. Das Betriebssystem nimmt einen nicht für voll und hat wohl manchmal recht. Oder man ist gerade deshalb so unkonzentriert weil da sowieso alles nochmal nachgefragt wird statt es einfach zu tun.

Datenverlust

– Ist die Datei nicht im Papierkorb, dann wurde sie vielleicht endgültig gelöscht. Das tut man wenn man im Papierkorbmenu auf Datei klickt und dann auf Papierkorb leeren. Selbst dann sind die Daten noch nicht weg. Erst wenn der PC an der Stelle etwas anderes speichert sind sie verloren.
– Es könnte auch sein, dass die Datei nicht auf der Festplatte des PC war sondern in einem Zusatzgerät (USB Stick, Kamera usw.) dann ist sie schon beim ersten Löschen verschwunden und nicht im Papierkorb. In dem Fall muss das Zusatzgerät wieder angeschlossen werden, um die Daten dort wo sie waren wiederherstellen zu können.
– Wenn man einen Datenträger (Festplatte oder Zusatzgerät) versehentlich formatiert oder partitioniert hat scheint alles weg zu sein was gespeichert war. Es ist aber noch da solange man nichts Neues speichert.

Datenwiederherstellung

In diesen Fällen ist es zweckmässig, sich ein Datenrettungsprogramm anzuschaffen und mit dem Computer bis dahin möglichst nichts mehr zu tun. Leider speichert der PC selber ständig etwas, so dass ein Datenverlust nicht ganz auszuschliessen ist. Die Wiederherstellungsprogramme gibt es teilweise kostenlos. Leider sind nicht alle gut und es ist sogar möglich, damit die Daten endgültig unlesbar zu machen. Je nach Wichtigkeit der Daten sollte man dafür mehr oder weniger ausgeben. Zum Beispiel: DataRecovery_EN
Um das teilweise Überschreiben verstümmelter oder verschwundener Daten zu verhindern ist es manchmal sogar sinnvoll beim Computer im laufenden Betrieb den Netzstecker zu ziehen. Gewiss, das schadet dem Computer und das sollte man wirklich nur tun wenn die verschwundenen Daten wichtiger sind als der Computer und das was aktuell am Computer gearbeitet wurde. Denn das kann dabei verlorengehen. In selteneren Fällen könnten die Daten der benutzten Programme nicht mehr zusammenpassen, wenn nicht ordentlich heruntergefahren wird. Dadurch könnte es sein, dass Programme mit den Daten nicht mehr funktionieren (wenn sie nicht so gut programmiert waren). Kann man diese Risiken eingehen, dann bestehen mehr Chancen die abhanden gekommenen Daten wiederherzustellen. Der Computer wird dann nicht heruntergefahren weil gerade dabei viel gespeichert wird, das die gelöschten Daten überschreiben könnte. Er wird auch nicht mehr hochgefahren, sondern von einem anderen PC aus die Festplatte gelesen. Der muss natürlich so eingestellt sein, dass er nichts auf diese Festplatte schreibt.

Datenfehler

Ein anderer Grund warum Daten verloren gehen sind Fehler im Dateisystem des Speichers. Also dort wo gespeichert ist welche Bruchstücke in welcher Reihenfolge zur Datei gehören. Der Grund ist oft ein Computerabsturz oder Stromausfall. Dann kann man sich in Windows mit Rechtsklick auf das betreffende Laufwerk dessen Eigenschaften ansehen. Darin gibt es die Möglichkeit der Fehlerüberprüfung und Dateisystemfehler automatisch zu korrigieren. Diese Datenwiederherstellung von Windows findet solche verschwundenen Dateien oder Dateifragmente. Sie werden nicht wiederhergestellt sondern jeder Fund wird als neue Datei im Hauptverzeichnis gespeichert. Da findet man dann die Dateien mit seltsamen Namen wie FILE0000.CHK Das ist leider keine verwendbare Datei mehr. Man muss erraten welche Datei es vorher war. Es gibt auch Programme die einem raten helfen wenn es zu viele Dateien sind. Dann muss man die Datei umbenennen, am besten so wie sie früher geheissen hat. Zumindest die letzten Buchstaben müssen wieder stimmen beim Namen. Dann kann man versuchen, diese Datei zu verwenden. Funktioniert das und lässt sie sich öffnen, dann hat man sie wieder und kann sie dorthin abspeichern wo sie früher war. Funktioniert das Öffnen der Datei trotz Umbenennen nicht, dann könnte es sein, dass es früher eine andere Datei war und nicht die die man sucht. Besonders bei grossen Dateien (Videos) passiert es oft, dass es schon die richtige Datei wäre aber trotzdem nicht funktioniert. Das liegt daran, dass es nicht die vollständige Datei ist sondern nur ein Teil davon. Wenn dem Teil wichtige Sachen fehlen dann funktioniert das nicht. Der Grund ist das dynamische Speichersystem des PC. Der Speicher ist selten ganz leer und Platz gibt es oft nur da wo schonmal etwas gespeichert war das gelöscht wurde. Der Speicher besteht also aus vielen Abschnitten von Speicherplätzen, von denen manche besetzt sind und andere frei weil gelöscht oder frei weil noch nie benutzt. Speichert man nun so einen grossen Film, dann sucht er sich einen freien Platz und speichert den Anfang ab. Dann stellt er fest der freie Platz ist zu wenig für den Film. Dann sucht er sich die nächste freie Stelle im Speicher und setzt dort den Film fort. Auf diese Weise kann der Film im Speicher dann etliche verschiedene Stellen belegen. Er wird nur selten in einem Stück zusammenhängend gespeichert. Bei der Wiederherstellung bekommt man aber für jedes Teilstück eine eigene Datei und keines funktioniert weil der Film nirgends vollständig ist. Wenn man den Datenträger häufig defragmentiert, dann kann man vermeiden, dass der Film bruchstückweise abgespeichert wird. Dann hat man öfter Glück und die Wiederhergestellten Dateien lassen sich öffnen. Wenn nicht dann könnten spezielle Videoreparaturprogramme wenigstens Bruchstücke des Films wieder abspielbar machen. Zum Beispiel ein Programm zur Reparatur kleiner AVI Filme: DivFix

Hardwarefehler

Bei defekter Festplatte werden Teile der Daten unlesbar. Man kann die Festplatte per Programm überprüfen, wobei dann beschädigte Stellen der Platte nicht mehr verwendet werden. Die Daten die dort waren sind aber nicht wiederherstellbar. Es ist besser gleich eine neue Festplatte einzubauen und die Alte erstmal in Ruhe abkühlen lassen. Wenn möglich dann zuerst die wichtigsten Daten von der alten Festplatte auf die neue überspielen. Man erhält ggf. beschädigte Dateien. Es ist einen Versuch wert, solche Dateien irgendwie doch noch zu öffnen und den Defekt manuell zu reparieren. Eine defekte Festplatte die nicht mehr ganz lesbar ist aber noch halbwegs funktioniert kann man aufbewahren. Es kommt vor, dass zu einem späteren Zeitpunkt Dinge wieder lesbar werden die zunächst defekt waren.
Bei Totalschaden:
Hardwareschaden der Festplatte, Überspannung, Bruch, gelöscht und teilweise überschrieben. Da hilft dann nur mehr ein Spezialverfahren, das die noch vorhandenen Daten vom Speichermedium selbst abliest (Festplatte zerlegt) und die Millionen von Bruchstücken wieder zusammenführt zu Dateien. Das ist etwa so wie aus einem Pfund Semmelbrösel die Semmeln wieder zusammenzukleben. Langwierig und teuer. Auf diese Weise konnten sogar zerstörte Festplatten aus dem World Trade Center noch gelesen werden.